Osteuropa in der Alkoholkrise

In Osteuropa ist nicht-kommerzieller Alkohol ein großes Problem, besagt eine Studie vom in Washington beheimateten International Center for Alcohol Policies. Darunter versteht die Studie einerseits traditionelle Getränke, die für den Hausgebrauch oder für eingeschränkten regionalen Verkauf bestimmt sind, Fälschungen, nicht registrierte Produkte sowie auch nicht zum Trinken bestimmte Ersatzalkohole.

Die Menge nicht-kommerziellen Alkohols in Zentral- und Osteuropa sei so hoch, dass sie Statistiken von offiziellem Alkoholverkauf beinahe unbrauchbar mache, so die Forschungsleiter. Illegale Getränke sind in den betroffenen Ländern bedeutend billiger als kommerzielle, oft von schlechter Qualität und enthalten häufig schädliche Verunreinigungen.

In der Ukraine liegt der jährliche Konsum von zehn Litern nicht-kommerziellen Alkohols pro Jahr und Kopf weit über den sechs Litern kommerziellem Alkohol. Ähnliche Relationen gelten auch für Bulgarien, Litauen, Slowenien und Moldawien, wo der jährliche Gesamtkonsum mit über 25 Litern am höchsten ist. In Weißrussland, Kroatien, Rumänien und Russland liegt der Konsum des nicht-kommerziellen Alkohols knapp unter der Hälfte des Gesamtkonsums. Die Studie führt den hohen Konsumanteil von illegalem Alkohol auf den im Vergleich zu Westeuropa niedrigeren Lebensstandard und einen Mangel von umfassenden und flexiblen Alkoholstrategien der Politik in Osteuropa zurück. Problematisch sei der exzessive Konsum nicht-kommerziellen Alkohols besonders für die Gesundheit der Betroffenen wie auch das Gesundheitssystem der Länder, sagt Studienleiter Yury Razvodovsky von der medizinischen Universität Grodno State in Weißrussland. Auch an der hohen Sterblichkeit durch Alkoholismus sei dieser Alkohol maßgeblich beteiligt.

"Probleme durch nicht-kommerziell erzeugten Alkohol gibt es in West- und Südeuropa weit weniger", sagt Alfred Uhl, Leiter der Alkohol-Koordinations- und Informationsstelle des Anton Proksch Institut. Bier, Wein und Most dürfe in Österreich zwar jeder erzeugen und bei Spirituosen gebe es für Bauern erhebliche Mengen, die sie im Eigenbedarf steuerfrei erzeugen könnten. "Da wir aber kein Hochpreisland sind und gute Qualität von Laien nur schwer erzielbar ist, machen Privatpersonen den professionellen bäuerlichen, gewerblichen und industriellen Erzeugern nur wenig Konkurrenz", so Uhl.

Derzeit sei eine Globalisierung der Trinkkultur im Gange, stellt Uhl fest. "Früher gab es im Norden und Osten typische Spirituosenländer, im Süden typische Weinländer und dazwischen typische Bierländer. Wegen der hohen Schutzzölle wurden vor allem regionale Produkte konsumiert. Im Zuge der Integration Europas und des Zollabbaus sind die Preisunterschiede zwischen lokalen Produkten und Importprodukten weggefallen." So sei etwa der einst in Österreich teure griechische Retsina mittlerweile zu einem der billigsten Weine am Markt geworden. Das führe sukzessive zu einer Angleichung der Konsumgewohnheiten beim Alkohol und auf anderen Gebieten. Eine europaweite Angleichung gäbe es auch in der konsumierten Alkoholmenge. "Der Konsum in den südlichen Alkoholhochkonsumländern war in den letzten zwei Jahrzehnten tendenziell rückgängig und in den traditionellen Niedrigkonsumländern im Norden Europas ansteigend. Auch die gesetzlichen Bestimmungen über den Alkoholkonsum gleichen sich innerhalb der EU sukzessive an", so Uhl abschließend.

Artikel vom 24. November 2008

 

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